Am ETH AI Center in Zürich kam ein Panel von Praktikern zusammen, um ein Thema zu diskutieren, das derzeit auf der Agenda fast jeder Führungskraft steht: wie sich das Potenzial von KI in echten geschäftlichen Nutzen übersetzen lässt. Der Austausch zwischen den Fachleuten machte rasch eines deutlich: Der Unterschied zwischen erfolgreichen und gescheiterten KI Initiativen ist selten technischer Natur. Unser Head of Data, Analytics & AI Markus Grob (ELCA Group) wurde gemeinsam mit Yannic Kilcher (DeepJudge), Alicia Montoya (Swiss Data Science Center), Jean Voigt (IMTF) und Cedric Klinkert (Unique) zu diesem Panel eingeladen. Ihre gemeinsame Perspektive bietet einen fundierten Blick jenseits des aktuellen Hype Zyklus.
Eine Aussage fand beim Publikum besonderen Anklang: „Wenn sich niemand beschwert, funktioniert es wahrscheinlich.“ Was auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, verweist auf ein Kernprinzip erfolgreicher KI: Der eigentliche Wert entsteht oft aus reibungsloser Integration und nicht aus sichtbarer Raffinesse.
1. Reibungslose Integration in Arbeitsabläufe
KI-Systeme schaffen Wert, wenn sie in bestehenden Prozessen aufgehen. In vielen Organisationen scheitern Initiativen, weil sie Reibung erzeugen, statt sie zu beseitigen. Von den Nutzern wird verlangt, Gewohnheiten zu ändern, Werkzeuge zu wechseln oder Arbeitsabläufe anzupassen, was die Akzeptanz deutlich verlangsamt.
Erfolgreiche Einführungen betten KI-Fähigkeiten dagegen in die Systeme ein, die Menschen ohnehin bereits nutzen. Dokumentenverarbeitung, Entscheidungsunterstützung oder Automatisierung sind so tief integriert, dass die Nutzer mit dem Ergebnis interagieren und nicht mit der Technologie selbst. Hier wird KI zu einem echten Produktivitätsmultiplikator.
2. Das messen, was wirklich zählt
Eine weitere zentrale Erkenntnis des Panels war die Herausforderung, die Nutzung von KI richtig zu messen. Herkömmliche Dashboards zeichnen oft ein unvollständiges Bild. Wie ein Teilnehmer betonte: „Eine Kennzahl zeigt nur das, wofür sie gebaut wurde.“
In modernen Architekturen verbinden die fortgeschrittensten Anwendungen KI über APIs mit den täglichen Abläufen. Misst ein Dashboard zur KI-Nutzung nur die Verwendung über die Benutzeroberfläche, führt dies zu irreführenden Schlüssen, etwa zu einer Unterschätzung der Nutzung oder einer Überschätzung des Engagements.
Für Führungskräfte bedeutet das, dass KPI-Rahmenwerke sich mit der Technologie weiterentwickeln müssen. Die Messung der Wertschöpfung setzt ein Verständnis dafür voraus, wie KI tatsächlich in Prozesse eingebettet ist, und nicht nur dafür, wie oft sich ein Nutzer an einem System anmeldet.
3. Akzeptanz durch Fürsprache fördern
Kennzahlen allein treiben die Akzeptanz nicht voran. Eines der stärksten Signale, die im Panel diskutiert wurden, war die Fürsprache der Nutzer. Wie es hiess: „Wenn jemand mit etwas wirklich zufrieden ist, wird er darüber reden.“
Dieser informelle Verbreitungsmechanismus wiegt oft schwerer als strukturierte Rollout-Strategien. Wenn Nutzer eine Lösung aktiv an Kolleginnen und Kollegen weiterempfehlen, beschleunigt sich die Akzeptanz auf natürliche Weise über Teams und Abteilungen hinweg.
Organisationen, die mit KI erfolgreich sind, fördern diese Dynamik gezielt, indem sie sich auf die Nutzererfahrung und greifbaren Nutzen konzentrieren statt auf den Funktionsumfang.
4. Wert über alle Ebenen der Organisation schaffen
Ein weiteres wiederkehrendes Thema war die Bedeutung, verschiedene Stakeholdergruppen anzusprechen. KI-Initiativen sind auf operativer Ebene oft erfolgreich, gewinnen auf Führungsebene aber kaum an Zugkraft.
Das Panel erörterte mehrere Beispiele, in denen Entscheidungsträger den Wert von KI Lösungen nicht unmittelbar erlebten. Ohne diese Verbindung riskieren selbst erfolgreiche Projekte, an Schwung zu verlieren.
Das unterstreicht die Notwendigkeit, Anwendungsfälle zu gestalten, die auf allen Ebenen Anklang finden: von Analysten, die täglich mit Daten arbeiten, bis zu Führungskräften, die für die strategische Ausrichtung verantwortlich sind.
5. Langfristig denken
Schliesslich erfordern erfolgreiche KI-Initiativen eine langfristige Perspektive. Viele Organisationen erwarten sofortige Ergebnisse, doch spürbare Wirkung stellt sich oft erst nach 12 bis 18 Monaten ein.
Wie in der Diskussion betont wurde: „Es ist eine fortlaufende Reise. Die Dinge verändern sich schnell. Man kann nicht etwas einmal tun und erwarten, dass es damit erledigt ist.“
Diese fortlaufende Entwicklung spiegelt das Wesen von KI selbst wider. Modelle werden besser, Kosten verändern sich und Regulierungen entwickeln sich weiter. Organisationen müssen daher Fähigkeiten aufbauen statt isolierter Projekte.
Für Führungskräfte sind die Konsequenzen klar. Erfolg mit KI hängt nicht in erster Linie davon ab, das richtige Modell zu wählen, sondern die richtigen organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen.
Bei ELCA unterstützen wir Kunden dabei, KI in ihre Kernprozesse einzubetten, die Akzeptanz über alle Ebenen sicherzustellen und nachhaltigen geschäftlichen Nutzen zu erzielen. Wir laden Sie ein, sich mit unseren Expertinnen und Experten in Verbindung zu setzen.
